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Von Magie, die jeder hat – und Magie, die einen hat

Aus den Aufzeichnungen Tarric Vethrins

Ich habe einmal einen Menschen getroffen, der völlig überzeugt davon war, Magie wäre etwas Besonderes. Er stand mitten in meiner Küche, während hinter ihm drei Teller gleichzeitig durch die Luft schwebten und jemand mit Geistmagie den Abwasch erledigte.

Manchmal frage ich mich wirklich, wie Leute es schaffen, ihre eigene Welt zu übersehen.
Magie ist in Elyndor nichts Seltenes. Sie ist Alltag. Lichtkugeln in den Straßen. Feuer zum Kochen. Windmagie, damit die Wäsche schneller trocknet. Geistmagie, damit jemand gleichzeitig fünf Kisten tragen und dabei noch über Preise diskutieren kann.

Die meisten Menschen denken bei Magie sofort an große Zauber oder dramatische Schlachten. In Wahrheit benutzen die meisten sie eher gegen Rückenschmerzen und schmutziges Geschirr. Nicht besonders heroisch. Aber vermutlich effizienter.

Die gewöhnliche Magie ist dabei in verschiedene Bereiche unterteilt.
Elemente. Geist. Solche Dinge.

Je stärker jemand ist, desto komplexer werden die Anwendungen.
Ein kleines Feuer entzünden kann fast jeder. Einen gesamten Marktstand gleichzeitig schweben lassen eher nicht. Wobei ich einen Händler kenne, der das trotzdem versucht hat.
Die Äpfel lagen noch Tage später in den Dachrinnen.

Zwerge können übrigens keine Magie wirken. Zumindest nicht direkt.
Was sie erstaunlich wenig davon abgehalten hat, trotzdem die Grundlage fast aller magischen Infrastruktur zu erschaffen. Ich habe irgendwann aufgehört zu versuchen, die Ironie darin zu ignorieren.

Und dann gibt es Seelenmagie. Das ist der Teil, bei dem Gespräche meistens leiser werden.

Seelenmagie funktioniert nicht wie gewöhnliche Zauber. Sie kommt nicht aus Formeln oder Übung allein. Sie kommt direkt aus der Seele des Anwenders. Und leider sagt das manchmal mehr über eine Person aus, als einem lieb sein sollte.

Die Magie formt sich nach dem, was jemand wirklich ist. Nicht nach dem, was er vorgibt zu sein. Das macht sie beeindruckend. Und unbequem.

Naira zum Beispiel nutzt Naturmagie. Pflanzen. Wachstum. Leben.
Was niemanden überrascht, der sie länger als fünf Minuten erlebt hat.

Miriana dagegen besitzt Chaosmagie.
Und falls du jetzt hoffst, ich würde erklären, wie Chaosmagie funktioniert, muss ich dich leider enttäuschen. Niemand erklärt Chaosmagie. Die meisten versuchen eher, nicht in ihrer Nähe zu stehen, wenn sie schlechte Laune hat.

Chaosmagie ist… kompliziert. Sie kann andere Magieformen nachbilden. Verändern. Verschlucken. Teilweise sogar brechen.
Ich habe einmal gesehen, wie Miriana einen Zauber aufgelöst hat, noch bevor der Magier selbst verstanden hatte, was gerade passiert. Er wirkte danach leicht beleidigt. Und bewusstlos.

Seelenmagie hängt allerdings nicht nur von Stärke ab. Sondern davon, wie sehr jemand mit sich selbst im Reinen ist. Angst. Zweifel. Innere Konflikte. All das schwächt die Magie.

Ein gewaltiger Blattsturm wird dann plötzlich eher… symbolisch.
Das klingt harmlos, bis man versteht, dass dieselbe Regel auch für deutlich gefährlichere Magie gilt.Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum manche der mächtigsten Magier Elyndors gleichzeitig die kaputtesten Menschen sind, die ich kenne.

Und dann gibt es noch die Kristalle. Aber darüber schreibe ich ein anderes Mal. Das Thema endet meistens entweder in philosophischen Diskussionen oder explodierenden Werkstätten.

Beides macht müde.

— Tarric Vethrin

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