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Von Schatten und stillen Klingen – Die Spionageorden von Elyndor

Aus den Aufzeichnungen Tarric Vethrins

Ich sollte wirklich aufhören, nachts mit Leuten über Politik zu reden. Gestern saß ein Händler in meiner Schänke und erklärte mir nach dem dritten Becher ziemlich überzeugt, dass Elyndor nur wegen des Adels funktioniert.

Das war der Moment, in dem ich wusste, dass er entweder sehr reich oder erstaunlich lebensmüde sein musste. Wahrscheinlich beides. Die wirklich wichtigen Dinge in Elyndor passieren nämlich selten dort, wo alle hinschauen. Natürlich tun die Adelshäuser gern so, als würden sie die Welt lenken. Große Hallen. Große Reden. Große Familienwappen. Große Egos.

Und dann verschwinden plötzlich Handelsrouten, Namen tauchen nicht mehr in Registern auf oder jemand fällt mitten in einer politischen Diskussion überraschend die Treppe herunter. Mehrmals.

Elyndor ist voller solcher Zufälle. Schon Kinder lernen hier: „In Elyndor flüstern die Schatten.“ Ich habe nie herausgefunden, wer diesen Satz zuerst gesagt hat. Und ganz ehrlich? Manche Fragen sollte man nicht zu neugierig verfolgen. Das verlängert die Lebenserwartung meistens erheblich.

Die meisten Leute kennen nur die Goldene Dämmerung. Offiziell zumindest.
Ein höflicher, nicht ganz so kleiner, Spionageorden mit guten Kontakten, schönen Uniformen und genau der richtigen Menge Bedrohlichkeit, damit Adelige sich wichtig fühlen können.
Sie arbeiten für jeden, der zahlen kann.
Wobei „zahlen“ in Elyndor ein dehnbarer Begriff ist. Manche geben Gold. Andere Informationen. Und manche bezahlen mit Gefallen, die Jahre später plötzlich wieder auftauchen. Das sind meistens die teuren Aufträge.

Die Goldene Dämmerung ist allerdings nur das, was man sehen soll.
Darunter sitzen „Die Leisen Nadeln“.
Und nein, ich weiß bis heute nicht, wer dachte, dass das ein unauffälliger Name wäre.
Die Nadeln arbeiten leiser. Gefährlicher.

Die Goldene Dämmerung entfernt Probleme. Die Nadeln sorgen dafür, dass manche Probleme niemals existiert haben. Das klingt ähnlich, ist aber ein gewaltiger Unterschied.

Ich habe einmal erlebt, wie ein Adliger versucht hat, gegen sie zu arbeiten. Ein paar Wochen später war er plötzlich überzeugt, schon immer Winzer gewesen zu sein. Soweit ich weiß, lebt er heute glücklich irgendwo im Süden.
Also… vermutlich ein gutes Ende. Für Elyndor zumindest.

Und dann gibt es noch die Schattenklingen. Über die spricht man normalerweise nur mit Leuten, denen man vertraut. Oder mit Leuten, die ohnehin schon zu viel wissen.
Beides endet selten entspannt.
Manche halten sie für einen militärischen Orden. Andere für eine Art Notfallmaßnahme gegen Dinge, die besser im Dunkeln bleiben. Ich persönlich halte sie für einen sehr guten Grund, nachts keine verschlossenen Türen zu ignorieren.

Die Spionageorden haben übrigens sogar ein öffentliches Gesicht.
Miriana. Charmant. Intelligent. Gefährlich genug, dass selbst erfahrene Leute vorsichtig werden, wenn sie lächelt. Ich mag sie. Was wahrscheinlich mehr über mich aussagt, als es sollte.

Die meisten glauben, Miriana würde die Orden kontrollieren.
Und vielleicht stimmt das sogar. Elyndor funktioniert schließlich erstaunlich gut mit halben Wahrheiten. Fast zu gut.

Vielleicht ist das auch der eigentliche Grund, warum hier ständig jemand flüstert.

— Tarric Vethrin

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