In den stillen Gassen von Thalorien, wo das Licht der Laternen mit dem Duft von Gewürzen und geschmorten Äpfeln verschmilzt, gibt es Geschichten, die man kaum glauben würde – und doch sind sie wahr. Eine solche Geschichte handelt von Seralya, der vielleicht mächtigsten Abenteurerin Elyndors, deren Mut und Klugheit nicht nur eine kleine Gilde rettete, sondern eine ganze Legende begründete. Begleitet mich heute in die Schenke von Tarric, wo wir einem Abend voller Abenteuer lauschen – und einer wahren Heldin begegnen.
Eine Fantasy Kurzgeschichte aus Elyndor
Die Schenke ist warm, erfüllt vom Duft geschmorter Äpfel und würziger Eintöpfe. Tarrics Lachen rollt durch den Raum, während ihr euer Kartenspiel austragt – ein ruhiger, gemütlicher Abend, wie er in Thalorien selten geworden ist.
Gerade willst du eine Karte ablegen, als ein lautes, selbstbewusstes Lachen hinter dir den Moment zerreißt. Du drehst dich um.
Eine große Elfin schreitet durch die Schenke, ihre Bewegungen geschmeidig wie bei jemandem, der sein Leben im wilden Land verbracht hat. Ihr langes schwarzes Haar ist zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, und das smaragdgrüne Top samt passendem Rock betonen Muskeln, die niemand missverstehen könnte: Das ist eine Abenteurerin – und zwar keine gewöhnliche.
„S-Seralya! Bei der Schöpferin – wie lange bist du denn schon in der Stadt?“, begrüßt Tarric sie, sein Gesicht sofort von aufrichtiger Freude erhellt. Natürlich kennen sich die beiden.
Seralya greift sich ihren Becher und den langen Bogen, der an ihrem Stuhl gelehnt hat, und kommt, ohne zu fragen, zu euch herüber. Den Bogen stellt sie mit einer geübten Bewegung neben den Tisch und legt dann ganz selbstverständlich einen Arm um deine Schultern – als wärt ihr alte Gefährten, die sich seit Jahren kennen.
„Ach, schon eine ganze Weile“, sagt sie mit einem breiten Grinsen. „Und ich kann Thalorien doch nicht verlassen, ohne bei meinem Lieblings-Halbling vorbeizuschauen und seinen Umsatz ein wenig anzukurbeln. Meine Männer trinken schließlich wie Drachen.“
Sie zwinkert Tarric zu, der laut prustet.
Dann richtet sie ihre grünen Augen auf dich. Ihr Arm ruht immer noch schwer und warm auf deiner Schulter. Tarric räuspert sich, der Stolz in seiner Stimme kaum zu überhören.
„Das Thalon ist Seralya. Die wahrscheinlich gewiefteste und mächtigste Abenteurerin in ganz Elyndor.“
Seralya winkt sofort ab und setzt sich zu euch an den Tisch, doch Tarric lässt sich nicht aufhalten.
„Doch, doch! Nicht so bescheiden. Ihre Gilde ist die einflussreichste von allen. Sogar die Königsfamilie und die Wächterdrachen erkennen sie an – und das liegt einzig und allein an ihr.“
Seine Augen glitzern. Er freut sich offensichtlich darüber, die Geschichte erzählen zu können, da du sie offensichtlich noch nicht kennst.
Tarric lehnt sich zurück, verschränkt die Arme und beginnt mit einer Stimme zu erzählen, die halb Flüstern, halb Bühne ist.
„Weißt du… Vor ein paar Jahren hatte die Königsfamilie eine kleine Abenteurer-Gilde angeheuert. Eine unauffällige Eskorte. Keine königlichen Banner, keine Wachen – alles sollte im Verborgenen bleiben. Man dachte, es ginge nur um ein paar Diebe oder Wegelagerer, falls überhaupt.“
Seralya schnaubt leise und kippt ihren Becher an die Lippen, während Tarric fortfährt:
„Die Kutsche war gewöhnlich, irgendeinem Kaufmann abgekauft, um nicht aufzufallen. Aber irgendjemand muss trotzdem gesungen haben, denn unterwegs wurde die Karawane abgefangen. Nicht von ein paar Räubern. Von einer ganzen Bande. Hunderten.“
Du schluckst. Tarric nickt langsam.
„Die Gilde – gute Leute, das sag ich dir – war völlig überfordert.“
Seralya grinst schief, sagt aber nichts. Also redet Tarric weiter.
„Und mitten in diesem Chaos war Seralya. Sie war eigentlich wegen einer ganz anderen Quest in der Nähe, aber der Lärm… der hat sie angelockt.“
Seralya hebt eine Augenbraue. „Ich dachte, ein Troll reißt den Wald auseinander.“
„Jedenfalls“, fährt Tarric fort, „klettert sie auf den nächstbesten Baum, erkennt sofort, was los ist, zieht ihren Bogen und schaltet einen Räuber nach dem anderen aus. Aus dem Hinterhalt. So lange, bis keiner mehr steht. Alleine. Ganz alleine.“
Du starrst sie an. Seralya tut so, als wäre es nichts weiter als ein verregneter Spaziergang, und winkt ab.
„Wie sich herausstellte“, sagt Tarric, „saß in der Kutsche eine Tochter der Königsfamilie. Unterwegs zu wichtigen Verhandlungen.“
Seralyas Blick wird einen Moment warm.
„Naira“, ergänzt sie. „Damals war sie jung, neugierig… und ein bisschen überfordert mit sich selbst und der Welt.“
Tarric nickt heftig, als wolle er jedes ihrer Worte noch zusätzlich unterstreichen.
„Die Königsfamilie war Seralya jedenfalls mehr als dankbar. Und Naira? Die hat sie damals so sehr bewundert, dass sie heute selbst eine der mächtigsten Abenteurerinnen ist, die wir kennen. Bis heute ist es übrigens das erste und einzige Mal, dass eine Abenteurerin eine Auszeichnung direkt von der Königsfamilie erhalten hat. Und die Gilde… die hat Seralya mehr zu verdanken, als sie je zugeben würden. Ohne sie wären sie vermutlich im Kerker gelandet.“
Seralya lächelt – sanft, ehrlich, beinahe verlegen.
„Ach was. Eingekerkert wären sie nicht. Höchstens ihren Gildenstatus losgeworden.“ Sie winkt ab, doch ihr Blick verrät Wärme. Dann stützt sie sich mit dem Ellbogen auf den Tisch und fügt hinzu:
„Aber Tarric hat recht: Die kleine Gilde tat mir damals wirklich leid. Gute Leute, alle. Nur… völlig planlos.“ Ein leises Schmunzeln huscht über ihr Gesicht. „Also habe ich sie unter meine Fittiche genommen. Und sieh sie dir jetzt an – keine hilflosen Kinder mehr, sondern echte Abenteurer.“
„Nicht nur das“, wirft Tarric ein. „Unter Seralyas Führung wurde die kleine Gilde zur einflussreichsten in ganz Elyndor. Sie arbeiten bis heute für die Krone. Ab und an zumindest. Und mit Naira – der Tochter der Königsfamilie – ist Seralya immer noch befreundet. Und klein ist sie auch nicht mehr. Auch wenn Seralya jedes Mitglied kennt und persönlich aussucht.“
Seralya winkt wieder ab, nimmt einen kräftigen Schluck und lacht so herzlich, dass selbst die Gäste am Nebentisch kurz zu euch herüberschauen.
„Ach was! Ich war nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und Naira… Naira ist einfach ein Schatz. Mächtig, ja. Aber ein kompletter Tollpatsch. Total naiv. Natürlich habe ich ein Auge auf sie.“
Tarric lacht laut und wirft dir einen vielsagenden Blick zu.
Du musst ihm zustimmen: Seralya ist etwas Besonderes. Eine echte Heldin. Und du bist froh, ihr begegnet zu sein.
Der Rest des Abends vergeht wie im Flug. Zu dritt sitzt ihr zusammen, und du lauschst gebannt den unzähligen weiteren Abenteuern, die Seralya erlebt hat – Geschichten, die sich wie Legenden anfühlen, obwohl sie sie lachend erzählt, als wäre alles nur ein harmloser Spaziergang durch Elyndors Wälder gewesen. Und irgendwie beschleicht dich das Gefühl, dass noch mehr hinter all dem steckt.

Das war eine Fantasy Geschichte aus Elyndor
So endet Seralyas Geschichte fürs Erste. Doch es wird bestimmt nicht ihre Letzte sein. Die Abenteuer in Elyndor haben gerade erst begonnen.
Folge mir gerne für weitere.
Und wenn du Seralya ins Herz geschlossen hast, warten sie und viele weitere neue, exklusive Charaktere im Elyndor-Adventskalender auf dich. Den handgemachten Kalender findest du hier: zum Adventskalender

Hey 👋 Ich bin Raven, Künstlerin & Weltenbauerin.
Dieser Blog ist dein Tor zu Elyndor – begleite mich live, während ich meine magische Welt voller Geschichten, Wesen und Landschaften erschaffe.
Ab und zu teile ich auch persönliche Einblicke in mein Leben als Künstlerin in meiner Kolumne „Tagebuch einer Künstlerin“.
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