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Ein Name, der nie existierte – Die Geschichte von Miriana und den Schattenklingen | High fantasy Geschichte

Tritt ein in die Welt von Elyndor. Magie, Intrigen und verborgene Wahrheiten erwarten dich in dieser High Fantasy Geschichte.

Eine Einladung in die Schatten

Der Raum war still. Nicht die gewöhnliche Stille leerer Hallen, sondern eine, die beobachtete – als würde selbst die Luft entscheiden, was sie preisgab und was nicht.

Ein mulmiges Gefühl breitete sich in deinem Magen aus und verstärkte sich, als die schwere Eisentür sich hinter dir schloss. Lautlos. Endgültig.

Allein.

Du wusstest nicht, wer dich hierher geführt hatte. Du wusstest nicht einmal, ob du eingeladen worden warst – oder ob man dich einfach … geholt hatte.

Ein paar Schritte vor dir blieb die Gestalt stehen, die dich begleitet hatte. Oder hatte sie das überhaupt?

Dunkle Kleidung, keine Abzeichen. Kein Gesicht, das man sich merken konnte – halb verborgen unter Stoff, sodass nur die Augen sichtbar waren. Schwarze Augen. Oder leere.

„Warte hier“, sagte die Gestalt leise.

Dann war sie verschwunden. Genau so lautlos, wie sie erschienen war – als wäre sie selbst nur ein Schatten gewesen. Oder ein Teil der Finsternis.

Dir lief es kalt den Rücken hinunter.

Du drehst dich um – und erst jetzt öffnet sich der Raum wirklich vor dir.

War es die ganze Zeit so hell gewesen? Warum hattest du zur Tür gesehen, wenn hinter dir all das lag?

Hohe Wände aus dunklem Stein ragten auf, durchzogen von schmalen Linien aus Licht. Keine Fackeln, kein offenes Feuer – nur ein gedämpftes, unnatürlich ruhiges Leuchten.

Und am Ende des Raumes saß sie.

Nicht auf einem Thron. Nicht wirklich. Der Sitz war schlicht, beinahe unscheinbar, und doch wirkte alles um ihn herum wie eine Bühne, die sich nach ihr richtete.

Miriana.

Du brauchtest niemanden, der dir sagte, wer sie war. Du wusstest es einfach. Ihr Name war dir so vertraut wie dein eigener.

Sie bewegte sich nicht. Ihr Blick ruhte auf der Person vor ihr.

Erst jetzt fiel dir die Szene wirklich auf.

Ein Mann saß vor ihr. Gut gekleidet, ohne Zweifel von Adel. Seine Haltung versuchte, Stolz zu zeigen – doch seine Hände verrieten ihn.

Sie zitterten.

Es wirkte, als wäre er schon länger hier. Als hättest du den Anfang eines Gesprächs verpasst. Und der Gedanke ließ dich nicht los, dass du genau jetzt, genau hier sein solltest.

„Ihr versteht nicht, was ihr ablehnt“, sagte der Mann. Seine Stimme war fest. Zu fest – und doch ruhig, geübt.

„Mein Haus steht seit Generationen über diesen Ländern. Ich biete euch Einfluss, Ressourcen, Zugang zu—“

„Zu was genau?“, fragte Miriana ruhig.

Nicht laut. Nicht scharf. Und doch schnitt sie durch seine Worte, als hätten sie nie existiert.

Der Mann schluckte, fing sich wieder.

„Gold. Kontakte. Zugang zu Kreisen, die selbst euch verschlossen bleiben. Ihr wisst, wie wertvoll ein Bündnis mit meiner Familie wäre.“

Ein kaum sichtbares Lächeln lag auf Mirianas Lippen.

„Im Gegenzug verlange ich nichts Unmögliches“, fuhr er fort.

Ihr Blick hob sich kaum merklich.

„Die Goldene Dämmerung soll in Zukunft … selektiver entscheiden. Bestimmte Anfragen ablehnen. Und andere … priorisieren.“

Er trat einen Schritt näher.

„Meine Anfragen.“

Stille legte sich über den Raum. Schwer, beinahe greifbar.

Für einen Moment hatte man das Gefühl, Mirianas Blick würde nicht ihn treffen, sondern etwas hinter ihm. Oder vielleicht … durch ihn hindurch.

„Du möchtest also, dass wir wählen, wer Hilfe verdient“, sagte sie ruhig.

„Ich möchte, dass ihr klug wählt.“

Wieder dieses kaum sichtbare Lächeln. Nicht freundlich. Nicht spöttisch. Einfach wissend.

„Die Goldene Dämmerung existiert, damit jeder um Hilfe bitten kann“, erwiderte sie leise. „Nicht, damit jemand entscheidet, wer sie verdient. Wir dienen weder dem Adel noch dem Volk. Wir dienen denen, die bereit sind, ihren Preis zu zahlen.“

Der Mann lachte leise, doch seine Stimme wurde kälter.

„Naivität steht euch nicht. Ihr habt Macht. Ich biete euch mehr davon.“

Er kam noch einen Schritt näher.

„Und alles, was ich verlange, ist ein wenig … Einfluss.“

Stille.

„Du glaubst also, dass du verstehst, wovon du sprichst“, sagte Miriana schließlich. Ein kurzer Moment verstrich. „Womit du sprichst.“

Der Mann hob das Kinn, ein letzter Versuch, Kontrolle zurückzugewinnen.

„Ich glaube, dass ihr klug genug seid, ein solches Angebot nicht auszuschlagen.“

Wieder Stille.

Macht, Erinnerung und der Preis von Einfluss

Dann hob Miriana leicht die Hand.

Keine Drohung. Keine sichtbare Macht. Nur eine Bewegung – und doch veränderte sich etwas. Nicht im Raum, nicht greifbar, sondern in der Bedeutung der Dinge selbst.

Der Mann runzelte die Stirn.

„Was …“ Seine Stimme stockte. „Ich …“

Seine Worte verloren ihren Halt, als würde jemand sie auslöschen, noch bevor er sie aussprechen konnte.

Er blinzelte, sah sich um, suchte nach etwas, das ihm gerade entglitt.

„Ich … ich bin …“

Seine Stimme brach. Zum ersten Mal lag echte Angst darin.

„Wer … bin ich?“

Sein Blick wurde leerer – nicht bewusst leer, sondern als würde etwas entfernt werden. Schicht für Schicht.

Miriana beobachtete ihn regungslos.

„Einfluss“, wiederholte sie leise.

Ein kaum sichtbares Flackern lag in ihrer Hand. Keine Flamme – etwas Rohes, Formloses.

„Du glaubst, Macht lässt sich handeln. Aber du verstehst nicht …“

Ein Atemzug.

„… dass sie neu geschrieben werden kann.“

Der Mann wich zurück.

„Nein—“

Doch selbst dieses Wort gehörte ihm nicht mehr ganz.

„Dein Name“, sagte Miriana ruhig, „existiert nur, solange sich an ihn erinnert wird. Dein Haus existiert nur, solange sich jemand daran erinnert.“

Er taumelte.

„Das ist nicht möglich—“, keuchte er.

„Ist es das nicht?“, fragte Miriana mit bittersüßer Stimme.

Ein Hauch von Wärme lag plötzlich in der Luft. Kein Feuer – nur ein leises Spiel aus Licht. Roh. Ungebunden. Und doch vollkommen kontrolliert.

„Unsere Leben sind nur Geschichten“, fuhr sie fort. „Und Geschichten lassen sich umschreiben.“

Etwas in ihm brach.

Seine Haltung verlor jede Festigkeit. Seine Kleidung wirkte plötzlich fremd an ihm – zu fein, zu bedeutungsvoll für jemanden, der er nicht mehr war.

„Meine Familie—“

Miriana hob leicht die Hand.

Ein Bild entstand mitten im Raum.

Eine Frau saß an einem Tisch, Kinder spielten im Licht des Nachmittags. Ein Mann trat durch die Tür. Sie lächelte. „Du bist spät, Liebster.“ Er küsste sie, strich einem Mädchen über den Kopf. Ein Vater. Ein Ehemann. Nicht er.

Das Bild verblasste.

Der Adelige sog scharf die Luft ein.

„Nein …“

„Deine Familie ist nur deine Familie, wenn sie sich an dich erinnert“, sagte Miriana leise. „Aber sie erinnern sich an einen liebevollen Ehemann. An einen gütigen Vater.“

Ein kurzer Moment.

„Nicht an einen von eingebildeter Macht blinden Adeligen. Nicht an dich.“ Miriana machte eine Pause. „Wer bist du?“

Er brach zusammen.

Seine Kleidung war nun schlicht, abgetragen. Seine Hände rau.

„Du wolltest Einfluss“, sagte Miriana ruhig. „Nun sieh ihn dir an.“

„Wer … bin ich …?“, wiederholte er ihre Frage. Verloren. Gebrochen.

Sie antwortete nicht. Die Frage hatte keine Bedeutung mehr.

Sein Stolz fiel von ihm ab wie etwas, das nie wirklich Teil von ihm gewesen war.

„Bitte …“, flüsterte er. Er wusste nicht einmal mehr, wofür.

Miriana senkte langsam die Hand.

Und mit ihr verschwand alles, was er gewesen war. Nicht mit einem Knall, nicht mit einem Schrei, sondern leise – als hätte es ihn nie gegeben.

Als wäre er nie adelig gewesen.

Er lächelte.

Bedankte sich für das Essen, das er plötzlich in seinen Händen hielt wie einen kostbaren Schatz. Tränen standen ihm in den Augen.

„Ihr seid zu gütig … Meine Familie wird sich über dieses Festmahl freuen.“

Dann verschwand er in der Dunkelheit.

eINE eINLADUNG | High Fantasy Geschichte

Miriana wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel und setzte sich wieder.

Stille kehrte zurück.

„Die Goldene Dämmerung“, sagte eine Stimme neben dir, „ist das, was die Welt sehen darf.“ Du zucktest leicht zusammen.

Die Gestalt vom Anfang war zurück. Du hattest nicht gesehen, wann sie gekommen war.

„Ein Orden, der handelt, vermittelt, schützt. Ein Gesicht.“

Ein kurzer Blick zu Miriana.

„Doch unter diesem Gesicht existieren die Leisen Nadeln.“

Die Gestalt trat näher.

„Dort werden Entscheidungen getroffen, die niemand sehen darf.“

Ein Atemzug.

„Und darunter … beginnt das, was selbst viele innerhalb der Nadeln nicht verstehen.“

Ein kaum merkliches Lächeln zeichnete sich unter der Maske ab.

Mirianas Blick hob sich. Und traf dich.

„Darunter arbeiten die Schattenklingen“, sagte sie ruhig.

Direkt.

Du wolltest sprechen, fragen – doch deine Stimme versagte.

„Du hast gesehen, wie leicht sich Realität formen lässt“, sagte Miriana und die Gestalt neben dir trat näher. S nah das du ihren Atem in deinem Gesicht fühlen konntest.

„Du hast etwas gesehen, dass du nicht hättest sehen sollen.“

Die Gestalt zögerte einen Moment. „Und darum—“

„Doch.“, unterbrach Miriana sie. Ein einziges Wort von ihr – und alles änderte sich.

„Thalon sollte das sehen.“

Stille.

Dann stand Miriana auf. Langsam, kontrolliert. Jede Bewegung hatte Gewicht. Nicht körperlich. Aber in der Bedeutung.

„Die meisten Menschen leben ihr Leben, ohne zu verstehen, dass es geführt wird“, sagte sie ruhig, während sie auf dich zuging. „Von Händen, die sie nie sehen. Von Entscheidungen, die sie nie hören.“

Sie blieb stehen. Nah genug das du ihre Präsenz spüren kannst. Deine Haut kribbelt leicht.

„Du stehst jetzt an einem Punkt, an dem du entscheiden kannst, ob du weiterhin glaubst … oder ob du beginnst zu sehen.“, fuhr Miriana fort.

Ein leises Flackern von Licht in ihrer Hand.

„Die Frage ist nicht, ob du Teil davon bist.“

Ihr Blick ließ keinen Raum für Zweifel.

„Die Frage ist nur …“

Ein Hauch eines Lächelns.

„… ob du bereit bist, es zu akzeptieren.“

Stille.

Dann wandte sie sich leicht ab.

„Wenn du gehst, wirst du vergessen, was du gesehen hast.“

Ein Blick zurück.

„Wenn du bleibst … wirst du Teil der Schattenklingen.“

Ihr Blick war ruhig. Unausweichlich.

„Die Frage ist also … ob du bereit bist.“

Das war eine high Fantasy Geschichte aus Elyndor


Ein Portrait von Miriana (verpixelt um es zu schützen)

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