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Von Adel, Schwertern und der wohl schlechtesten Geheimromanze Elyndors

Aus den Aufzeichnungen von Tarric Vethrin

Es gibt Leute, die müssen nichts tun und trotzdem passiert alles so, wie sie es sich vorstellen. Meistens regieren diese Leute ein Reich.

Nun … Lucryss ist keiner dieser Elfen.

Offensichtlich ist er der Erbe des Reiches. Königssohn. Und wenn er es darauf anlegt, spielt er das Spiel des Adels auch perfekt. Er muss keine Befehle erteilen. Er muss nicht drohen. Ein ruhiger Blick genügt oft, damit Diskussionen enden, lange bevor sie begonnen haben.

Aber es muss wirklich viel passieren, damit Lucryss sich überhaupt für dieses Spiel interessiert.

Nicht, weil ihm Elyndor egal wäre. Ganz im Gegenteil. Kaum jemand sorgt sich so sehr um die Zukunft des Reiches wie Lucryss. Er weiß nur, dass diese Zukunft nicht entsteht, weil er mit irgendeinem Grafen über Bauwirtschaft diskutiert oder einer Herzogin erklären muss, dass er ihre Tochter auch beim zehnten Versuch nicht heiraten wird.

Lucryss gehört zu den Elfen, die anpacken. Die sich die Hände schmutzig machen. Wirklich zufrieden ist er nur dann, wenn er mit dem Schwert in der Hand im Dreck steht. Um Monster zu töten oder mit Caelen zu trainieren.

Wobei ich mir sicher bin, dass er zu mehr ruhigen Momenten mit seinem Liebsten nicht Nein sagen würde. Ein Hofmagier im Dienst seines ehemaligen Lehrers Argus. Die beiden führen vermutlich die bekannteste geheime Beziehung in ganz Elyndor.

Geheim ist sie eigentlich nur deshalb, weil Lucryss nicht möchte, dass irgendeine übereifrige Adelige einen Attentäter auf seinen Liebsten ansetzt. Nicht, dass Miriana das zulassen würde.

„Aber ich habe keine Lust, adeliges Blut aufwischen zu lassen. Das stinkt.“

Das erklärte Lucryss mir einmal, als ich ihn danach fragte.

Ich glaube ja, er möchte einfach einen Teil seines Lebens für sich behalten.

Als junger Elf wird er ohnehin noch wie ein Kind behandelt.

Darum ist er wohl auch so oft bei mir im Gehängten Elf. Meistens in Begleitung. Wenn man Caelen, Templerkommandant und Leibwächter, mitzählt, sogar immer.

Lucryss liebt es, sich meine Geschichten anzuhören.

Und das kann ich ihm wirklich nicht verdenken.

Lucryss ist kein Kind, auch wenn die Elfen des Reiches das anders sehen. Ich glaube, hinter all dem „Ist mir doch egal“ steckt ein guter Herrscher. Einer, der Elyndor in ein gerechtes Zeitalter führen kann und genau das ist, was dieses Land braucht.

Aber was weiß ich schon.

Ich erzähle nur Geschichten.

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