Der Stab, der seinen Meister sucht
Du sitzt mit deinen Gefährten am Lagerfeuer.
Seit Wochen reist ihr gemeinsam durch Elyndor, folgt alten Pfaden, durchquert Wälder und Ruinen und schlagt jede Nacht irgendwo in der Wildnis euer Lager auf. Mit der Zeit ist daraus eine kleine Tradition geworden: Sobald die Flammen hoch genug schlagen und die Dunkelheit sich um euch legt, beginnt Tarric zu erzählen.
Geschichten über vergessene Orte. Über uralte Magie. Und über Artefakte, deren Namen selbst viele Gelehrte nur aus Legenden kennen.
Niemand weiß genau, woher Tarric all diese Geschichten kennt.
Doch während du ihm zuhörst, beschleicht dich immer wieder das Gefühl, dass mehr dahintersteckt als nur alte Sagen.
Als hätte er manches davon selbst gesehen. Auch heute Abend ist es wieder so weit.
Die Funken steigen in den Nachthimmel auf, Holz knackt im Feuer und Tarric räuspert sich leise, bevor er zu sprechen beginnt.
„Habt ihr schon einmal von einem Stab gehört“, sagt er schließlich, „der seinen eigenen Meister sucht?“ Tarric lehnt sich etwas nach vorne und hält einen Moment inne, als würde er prüfen, ob ihr ihm wirklich zuhört.
Das Feuer knackt leise, Funken steigen in die Dunkelheit auf, und für einen kurzen Augenblick scheint selbst der Wald um euch herum still zu werden.
Dann beginnt er zu erzählen. „Man nennt ihn Anchored by Obligation (Durch Verpflichtung gebunden)“, sagt Tarric langsam. „Ein Artefakt aus alten Zeiten – älter als viele der Reiche, die heute auf den Karten von Elyndor stehen.“
Er streicht mit einem Stock durch die Glut, bevor er fortfährt.
„Doch bevor der Stab begann, nach einem neuen Meister zu suchen, gehörte er einst jemand anderem…“
Die Legende von Anchored by Obligation
Einst gehörte dieser Stab einem mächtigen elfischen Magier, dessen Aufgabe es war, den Wald zu schützen und im Gleichgewicht zu halten.
Seine Magie war niemals nur schöpferisch – und niemals nur zerstörerisch.
Mit der Kraft des Stabes ließ er sterben, was nicht mehr bestehen konnte, und erschuf neues Leben dort, wo es gebraucht wurde.
Alte, kranke Bäume mussten fallen, damit junge und starke wachsen konnten.
Wenn die Magie des Stabes durch den Wald strömte, riss sie die Rinde alter Stämme auf – doch aus diesen Rissen spross zugleich neues Leben. Kleine Pflanzen wuchsen in den Spalten und stärkten die Bäume, während frische Triebe den Wald erneuerten.
Als der Magier schließlich starb, blieb der Stab zurück.
Doch über die Jahre geschah etwas Seltsames.
Der Stab begann, einen eigenen Willen zu entwickeln. Er tauchte immer wieder an verschiedenen Orten in Elyndor auf, als wäre er auf der Suche nach jemandem.
Viele versuchten, seine Macht zu beherrschen.
Doch keiner von ihnen war der Verantwortung gewachsen, die mit dieser Magie einherging. Die meisten verfielen seiner zerstörerischen Kraft und verloren sich in ihr.
So verschwand der Stab immer wieder – bis er eines Tages gänzlich verschollen schien.
Erst Jahrhunderte später entdeckten Abenteurer ihn erneut.
Doch diesmal hatte der Stab vorgesorgt.
Mit Hilfe eines alten Zaubers, den sein Meister ihm einst hinterlassen hatte, hatte er sich selbst in einen massiven Stein gerammt und dort versiegelt. Nur jemand, der seiner Macht würdig ist, kann ihn wieder daraus befreien.
Was der Stab jedoch nicht versiegeln konnte, war seine Magie.
Seit Jahrhunderten strömt sie unaufhörlich aus ihm heraus und durchzieht den Wald um ihn herum. Die Kraft lässt die Rinde der Bäume aufbrechen, doch aus den Rissen wachsen Pflanzen, die den Bäumen helfen, dieser wilden Magie standzuhalten.
Aus den Funken der Energie entstehen zudem kleine magische Schmetterlinge.
Sie umkreisen den Stab, schützen ihn – und führen neugierige Wanderer und Magier zu seinem Versteck.
Immer in der Hoffnung, dass eines Tages jemand kommt, der seiner Macht würdig ist.
Jemand, der nicht nur seine Kraft nutzen will, sondern die Verantwortung versteht, die mit ihr verbunden ist.
Ein neuer Meister.
Oder vielleicht einfach ein neuer Freund.
Nachdem Tarric seine Geschichte beendet hat, bleibt es einen Moment lang still.
Nur das Feuer knistert noch zwischen euch. Schließlich lehnt er sich zurück und zuckt leicht mit den Schultern.
„Ob die Geschichte wahr ist?“, sagt er mit einem schiefen Lächeln. „Das weiß wohl niemand so genau.“
Sein Blick wandert kurz in die Dunkelheit jenseits des Feuers.
„Aber wenn ihr jemals einen alten Stein mitten im Wald findet … und darin steckt ein Stab, der die Rinde der Bäume zum Aufbrechen bringt …“
Er macht eine kurze Pause.
„Dann überlegt euch gut, ob ihr wirklich versuchen wollt, ihn herauszuziehen.“

Vielleicht begegnet man dem Stab eines Tages wirklich irgendwo in den Wäldern von Elyndor. Bis dahin bleibt er eine Legende – und eine Darstellung dieses rätselhaften Artefakts.
Ich habe versucht, den Moment festzuhalten, in dem seine Magie den Wald aufbrechen lässt und neues Leben aus den Rissen wächst. Wenn dich das Artefakt Anchored by Obligation genauso fasziniert wie Tarric, kannst du den Print hier entdecken: zum Print im Elyndor-Shop

Ich, Raven Morrigan Hawke, erschaffe Elyndor, eine Welt voller verborgener Pfade, flüsternder Wälder und uralter Geheimnisse. Jede Illustration und jede Geschichte führt dich tiefer hinein – zu mutigen Abenteurern, leuchtenden Kristallen und Orten, an denen Licht und Schatten miteinander tanzen. Begib dich mit mir auf die Reise durch diese poetische Fantasy-Welt und entdecke, was hinter jedem Hügel, jedem Baum und jedem Artefakt wartet.

